Coil-, Chargen- und Reststückverwaltung
Neue AV-Applikation für ein Stahl-Service-Center

Die KL Consulting GmbH ( KLC ) wurde von einem großem deutschem Stahlkonzern beauftragt, die Geschäftsprozesse einer Tochtergesellschaft ( Stahl-Service-Center ) aufzunehmen, zu modellieren, analysieren, optimieren und innerhalb der SAP Standardsoftware R/3 abzubilden. Dabei wurde ein besonderes Augenmerk auf die AV-Applikation geworfen, die KLC einfach und zugleich komfortabel innerhalb eines SAP-Prototyps realisieren konnte.

Für die Arbeitsvorbereitung stellt die Datenverarbeitung technisch gesehen, sowohl für stahlproduzierende Unternehmen als auch für Stahlhändler mit Anarbeitungsprozessen, eine große Herausforderung dar.

Die Abbildung des Bindeglieds  zwischen Verkauf (SD) und Produktion (PP) innerhalb des SAP Systems war in diesem Projekt Hauptbestandteil der KLC Konzeption und Realisierung. Sämtliche Entwicklungen und Anpassungen des Standardssystems wurden ohne Modifikationen mittels der SAP Programmiersprache ABAP/4 und entsprechendem Customizing realisiert. Somit kann diese Applikation problemlos in verschiedenen Releaseversionen eingesetzt werden.

Der Geschäftsprozess

Aus einem Vormaterial ( z.B. Stahlcoil, Stahlbänder, Stahlbleche ) werden innerhalb des Service-Centers kundenspezifische Stahlbänder und Stahlbleche gefertigt.  Der Fertigungsprozess beinhaltet u.a. Produktionsschritte wie Spalten, Schneiden, Lochen, Oberflächenbehandlungen etc. Die entstehenden Endprodukte können somit eine sehr große Variationsmöglichkeiten haben, die bis in den Millimeterbereich gehen können.

Ziel der Applikation

Ziel der Applikation ist es, übersichtlich und anwenderfreundlich ein geeignetes Vormaterial ( Coil, Restblech, Restband ) zu finden, aus dem die gewünschten Bleche wirtschaftlich produziert werden können.

Die Realisierung

Die Ausgangssituation ist ein SAP-Kundenauftrag, in dem von einem Kunden spezifische Stahlbänder oder Stahlbleche bestellt wurden. Der Auftrag wird vom Vertrieb erfasst und zur AV maschinell weitergeleitet. Die im Kundenauftrag erfaßten Materialbeschreibungen werden über konfigurierbaren Materialien (KMAT) abgebildet. Die Materialien werden bis zur Güte im Materialstamm vorkonfiguriert, Abmessungen etc. werden im Kundenauftrag bewertet. Die Arbeitsvorbereitung prüft in einem ersten Schritt, ob ein passender Blech- bzw. Coilbestand vorhanden ist. Dazu steht der AV ein komplexes Suchsystem zur Verfügung, in dem alle Materialmerkmale als Selektionskriterien dienen.

Sämtliche Merkmale die zu einem Material hinterlegt wurden können in dieser Maske eingegeben werden. Eventuelle Inkonsistenzen werden automatisch abgefangen. Durch die Angabe von Intervallwerten ( z.B. Länge von 1000 mm – 1300 mm ) können auch Toleranzgrenzen gesetzt werden. Das System durchsucht alle Meterial bestände, in denen die Merkmale identisch zur Selektion sind und listet sie in Form einer übersichtlichen Darstellung auf.

Nach dieser Vorauswahl setzt die AV fest, welches Beistellmaterial der Auftragsposition zugeordnet wird. Dazu stehen weitere effizente Tools zur Verfügung. Zum Beispiel eine detaillierte Bestandsliste mit Angabe des Lagerortes. ( Berücksichtigung externe Aussenläger ) oder eine Warenkorbfunktion, die es ermöglicht mehrere Chargen für eine Auftragsposition zu reservieren. Weiterhin kann gezielt eine Teilmenge der Charge reserviert werden, so dass eine Vormaterialcharge für die Produktion mehrerer Auftragsposition benutzt werden kann.

Ist die Entscheidung für das richtige Vormaterial gefallen, so markiert die AV betreffendes Material und ordnet es mittels einfacher Menueverzweigung dem vorhandene Kundenauftrag zu. Das Vormaterial wird entsprechend im Kundenauftrag der Position zugeordnet und mittels Positionstyp als Beistellmaterial gekennzeichnet. Der Bestand wird mit Auftragsbezug reserviert, kann aber bei Prioritätsänderungen in der Vorproduktionsphase manuell verschoben werden.

Für den Fall, dass kein passendes Vormaterial vorhanden ist, kann mittels der Merkmalbewertung eine passende Bestellanforderung / Bestellung automatisch erzeugt werden.

Die Zuordnung des Beistellmaterials ist damit beendet.

Anschließend erfolgt der Ausdruck einer „Arbeitskarte“. Die „Arbeitskarte“ enthält alle notwendigen Informationen, die der Betrieb benötigt um das Endprodukt herstellen zu können (z.B. Materialeinsatz, Spalten, Oberflächenbehandlung, Lochung etc.) Nach der Produktion wird die SAP-Auftragsposition zurückgemeldet. Die Beistellposition wird ausgebucht. Dabei kann es zu Rest- und Verschnittmengen kommen. Die Restmengen (Bleche) werden einem Lagerbestand auf chargenebene zugebucht. Durch die Eingabe des Kundenauftragsmaterials und der Restbleche erfolgt eine automatische Berechnung der Verschnittmenge, die wiederum einem sogenannten „Schrottkonto“ zugebucht wird.

Mit Buchung der Rückmeldung werden alle Bestände SAP-relevant gebucht . Ein Lieferschein wird automatisch erzeugt. Die weitere Vorgehensweise ( Warenausgang, Faktura ) entspricht dem SAP-Standard.